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Regionale Nährstoff-Bomben

Chia Samen aus Mexiko, Goji-Beeren aus China, Moringa aus Australien: Exotische Superfoods haben nicht nur lange Transportwege hinter sich. Sie sind teuer, oft mit Pestiziden oder Schwermetallen belastet – und für die versprochenen Wirkungen fehlen weitgehend die Beweise. Warum also nicht zu regionalen Alternativen greifen?

„Ich bin überzeugt, dass uns unsere Heimat genau das Essen liefert, das wir für ein gesundes Leben brauchen“, bringt es Ernährungswissenschaftlerin Andrea Ficala auf den Punkt. Ihrer Meinung nach werden viele Superfoods aus fernen Ländern stark überbewertet, zum Beispiel Kokosöl: „Es ist zwar pflanzlichen Ursprungs, enthält jedoch großteils gesättigte Fettsäuren, wie sie auch – rein chemisch betrachtet – in tierischen Fetten wie Butter oder Schmalz vorkommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, es spricht nichts dagegen, hin und wieder Kokosöl zu verwenden, aber eben nicht hauptsächlich. Ungesättigte Fettsäuren sollten bevorzugt werden.“

Wer Lebensmittel mit einem besonders hohen Anteil an Vitaminen, Mineral-, Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen sucht, muss beim Einkauf sowieso nicht zwingend das Superfood-Regal stürmen. „Es gibt auch frische, regionale Nährstoffbomben wie Wildkräuter, Salate mit Bitter- und Scharfstoffen, frische Beeren, Kohlgemüse, Samen und Nüsse. Zudem sind milchsauer vergorene Produkte wie Sauerkraut sehr wertvoll“, so Ficala.

Hier die besten Alternativen zu den Exoten:
Leinsamen

Leinsamen werden aus der alten Kulturpflanze Flachs gewonnen. Sie sind gelb bis braun, schmecken leicht nussig und zeichnen sich durch einen besonders hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus. Zudem sind Leinsamen reich an Ballaststoffen und Antioxidantien: Schon 15 Gramm decken 20 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin E. Auch auf die Verdauung haben die schleimbildenden und quellfähigen Körner äußerst positive Auswirkungen. Weitere erwähnenswerte Inhaltsstoffe: Magnesium, Eisen, Zink und Phytosterine, die sich günstig auf den Fettstoffwechsel auswirken und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollen.

Heidelbeeren

Inzwischen belegen mehrere wissenschaftliche Studien die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Heidel- bzw. Blaubeeren. Entscheidender Bestandteil der süßen Früchte sind die Pflanzenstoffe, die ihnen ihre tiefblaue Farbe verleihen: sogenannte Anthocyane. Diese können zellschädigende freie Radikale neutralisieren und so Krebs vorbeugen sowie einen vorzeitigen Alterungsprozess der Haut verhindern. Auch die reichlich in Heidelbeeren enthaltenen Vitamine C und E machen sie zu einem regionalen Superfood.

Hanfsamen

Hanf stammt zwar aus Zentralasien, ist aber überaus zäh und kann beinahe überall wachsen. Die Samen der Pflanze überzeugen vor allem mit einem optimalen Omega-Fettsäuren-Verhältnis von 3,75:1 (Omega-6 zu Omega-3). Außerdem ist Hanf eine der wenigen Ölpflanzen, die Gamma-Linolensäure (GLA) enthalten: eine wichtige Fettsäure, die entzündlichen Prozessen im Körper entgegenwirkt. Auch der Eiweißanteil kann sich sehen lassen: 20 Prozent der Samen sind hochwertiges Protein in Form aller essentieller Aminosäuren, die der menschliche Organismus benötigt. Zu den weiteren für Gesundheit und Vitalität wichtigen Inhaltsstoffen zählen Vitamin E und reichlich B-Vitamine.

Wildkräuter

Wildkräuter wie Löwenzahn, Brennnessel oder Spitzwegerich enthalten Bitterstoffe, die den meisten Supermarkt-Gemüsesorten aufgrund moderner Züchtungen fehlen. Bitterstoffe sind vor allem für eine gesunde und vollständige Verdauung wichtig und helfen beim Abnehmen. Sie führen zu einem früheren Sättigungsgefühl und kurbeln die Fettverbrennung an. Zudem unterstützen sie die Blutbildung, die Entwässerung und die Leber- sowie Gallenfunktion. Auch angesichts ihres hohen Anteils an Vitaminen wie A und C sowie verschiedensten Mineralstoffen (Eisen, Calcium, Magnesium, Kalium etc.) sollten Wildkräuter nicht auf dem Speiseplan fehlen. Wie praktisch, dass sie kostenlos gesammelt werden können.

Rohes Sauerkraut

Kraut und Salz: Mehr ist nicht notwendig, um den Körper mit den Vitaminen A, B, C und Mineralien zu versorgen. Der größte Trumpf von Sauerkraut sind allerdings die Milchsäurebakterien, die bei der Fermentierung (Haltbarmachung) entstehen. Die probiotischen Kulturen unterstützen das Verdauungssystem. Schädliche Bakterien werden verdrängt, der Aufbau einer gesunden Darmflora ermöglicht. Das ist insofern wichtig, als eine gestörte Darmflora Krankheiten von Allergien über Infekte bis hin zu Rheuma verursachen kann.

Brokkoli und andere Kohlsorten

Brokkoli steht auf der Liste der gesündesten Gemüsesorten weit oben: Er ist reich an Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen, Phospor und Mangan und enthält die Vitamine A, C und K. Besonders macht ihn aber der sekundäre Pflanzenstoff Sulforaphan. Dieser bekämpft freie Radikale und damit nicht nur den Alterungsprozess, sondern auch Krebs. Sulforaphan ist auch in anderen Kohlsorten – Grün-, Blumen-, Weiß-, Rosen- und Chinakohl sowie Kohlrabi – enthalten.

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