Giftige Fettnäpfchen im Alltag

Lebensmittel aus Massenproduktion, Kochen in beschichteten Pfannen, Essen und Trinken aus Plastikdosen und Shakern: Typische Fehler aus dem Fitness-Alltag, die Fetteinlagerungen fördern oder langfristig krank machen.

Zigaretten, Alkohol, Fast Food? Kommt für die meisten Anhänger des „Healthy Lifestyle“ auf keinen Fall in Frage. Doch wenn es um Schadstoffe geht, machen sich nur die wenigsten Gedanken. „Das liegt daran, dass die Auswirkungen dieser Substanzen nicht sofort spürbar sind“, sagt Öko-Test-Chefredakteur Jürgen Stellpflug. Dabei können sie nicht nur zu Unfruchtbarkeit und schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs führen. Einige von ihnen, sogenannte Xenohormone, erschweren schon in geringen Mengen den Weg zum Sixpack: Sie wirken wie Östrogene und sorgen für die Bildung von hartnäckigem Hüftfett und Wassereinlagerungen. Mit steigender Belastung werden Frauenkörper immer dicker, Männerkörper immer „weicher“.

Rund 800 Chemikalien sind bekannt, bei denen eine hormonelle Wirkung nachgewiesen ist oder zumindest vermutet wird. Die schlechte Nachricht: Es ist unmöglich, diesen Xenohormonen und anderen Schadstoffen komplett zu entgehen. Sie befinden sich in der Luft, im Wasser, in unserem Essen und in den verschiedensten Gegenständen. Die gute Nachricht: Man kann die Menge, der man tagtäglich ausgesetzt ist, mit ein paar einfachen Maßnahmen reduzieren. Und darauf kommt es letztendlich an: „Das Risiko, seiner Gesundheit zu schaden, erhöht sich nämlich mit jeder neuen Belastung. Irgendwann läuft das Fass über und ein Problem oder eine Krankheit entsteht“, so Stellpflug.

Sportler, die Giftstoffe und überschüssiges Östrogen meiden wollen, sollten deshalb vor allem folgende Punkte beachten:

Lebensmittel-Auswahl

Ob Obst, Gemüse oder Getreide: Wer auf günstige Produkte aus Massenproduktion setzt, muss auch damit rechnen, seinen Körper mit mehr Schadstoffen zu belasten. Dazu zählen unter anderem hormonaktive Pestizide, Herbizide und Fungizide. „Pestizide in Lebensmitteln sind immer noch ein Problem. Es gibt zwar weniger Höchstmengenüberschreitungen als früher, aber nur, weil die Bauern einen Mix aus verschiedenen Wirkstoffen verwenden. Wir raten deshalb dazu, zu Bio-Produkten zu greifen“, macht Stellpflug deutlich. Auch Hormone aus Fleisch und Milchprodukten können zu einem Östrogen-Überschuss im Körper führen. Außerdem spielen schadstoffbelastete Plastikfolien eine Rolle – daher lieber zu unverpackten Lebensmitteln greifen!

Aufbewahrung und Mahlzeiten

Mahlzeitenplanung, Essen aus der Dose und Shakes zählen zum typischen Sportler-Alltag. Um die Schadstoffbelastung zu reduzieren, sollte man dabei möglichst wenig Plastik verwenden. Plastikprodukte enthalten meist giftige und hormonwirksame Weichmacher wie Phtalate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Bisphenol A (BPA), die sich lösen und in Lebensmittel sowie Getränke übergehen. Studien zufolge können schon kleinste Mengen, die über einfachen Hautkontakt in den Organismus gelangen, Schäden anrichten. Noch schlimmer macht man das Ganze, wenn man heißes Essen in die Plastikdose füllt oder Lebensmittel darin erhitzt. Eine gute Alternative sind Aufbewahrungssysteme und Shaker aus Glas oder Edelstahl.

„Bei Bedarfsgegenständen raten wir generell von Weichplastik ab, weil es hier erfahrungsgemäß große Belastungen gibt“, sagt Stellpflug. Wer sich trotzdem nicht von allen Plastikutensilien trennen möchte, sollte zumindest überprüfen, ob sie besonders gefährliche Substanzen enthalten. Auskunft darüber gibt der Recycling-Code, der sich normalerweise auf dem Dosenboden befindet. Unbedingt gemieden werden sollten Produkte mit den Ziffern 03 (PVC), 06 (PS) und 07 (O).

Kochen

Auch beim Kochen gilt: Je weniger Plastik, desto besser. Beim Aufwärmen in der Mikrowelle also lieber zum normalen Teller greifen und Küchengeräte bedacht auswählen (Plastik-Kochlöffel, -Dampfgarer etc.). Vorsicht ist zudem bei der Pfannen-Auswahl geboten: Viele Beschichtungen enthalten Perfluoroctansäure (PFOA). Diese steht unter Verdacht, den Cholesterinspiegel zu erhöhen und die Schilddrüse zu schädigen. Sicherer ist es deshalb, zu Kochgeschirr aus Gusseisen oder Edelstahl zu greifen.

Pflegeprodukte

Giftstoffe und Xenohormone finden sich leider auch in zahlreichen Pflegeprodukten – vom Duschgel über Make-up und Shampoo bis hin zum Weichspüler. Zu den bekanntesten bedenklichen Substanzen zählen Parabene, Silikone, Aluminiumsalze, Mikroplastik, Tenside und PEG-Derivate. Die hohe Anzahl an Schadstoffen und unterschiedlichste Namensbezeichnungen machen es nicht gerade einfach, die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) auf der Verpackung zu entziffern. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt deshalb ganz oder zumindest teilweise auf zertifizierte Naturkosmetik.

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